Schluß mit der Selbstverleugnung – Für eine neue Ehrlichkeit

Über das Vermeiden von Abrechnungsunterlassung

Wir sind Ärzte – wir behandeln, beraten und begleiten unsere Patienten, und ein großer Teil unserer Befriedigung durch unsere Tätigkeit ist die Wert-Schätzung, die uns täglich durch unsere Patienten entgegengebracht wird. Befriedigung im Beruf ist ein hohes Privileg. Es kann aber auch blind machen und zur Nachlässigkeit sich selbst gegenüber führen.

 

Die Abrechnung wird oft als lästig, unangenehm und nachgerade wesensfremd empfunden und an die Mitarbeiterinnen delegiert. Abrechnung, Codierung nach ICD 10 allemal – das fasst man
mit spitzen Fingern an. Viele von uns leiden an chronischer Verschieberitis, vornehm: „Prokrastianation“. Eine innere Stimme flüstert uns ein, dass unsere helfenden Hände zu gut sind,
um sich in die Niederungen der Buchhaltung und Codierung zu verirren.

 

Die Abrechnungsziffern selber sind inzwischen zu wenigen überschaubaren Komplexen zusammengefasst. Der ICD10 aber ist ein unübersichtlicher Dschungel, planvoll (?!) abschreckend, verwirrend. Ihm begegnet man vor allem mit einem: Vermeiden! Sich irgendwie
arrangieren, den Krankheitsbildern schnell ein Codierdach aufsetzen.

 

Doch passt das überhaupt? Ist die Codierung korrekt und beschreibt sie das Behandlungsbild
exakt in seiner Multidimensionalität? Werden Folgeerkrankungen ausreichend berücksichtigt?

 

Nach einem langen Arbeitstag fehlt oft der erforderliche Biss, um sich die Tageslisten anzuschauen und um die Diagnosen zu aktualisieren, wenn beispielsweise ein Patient aus der stationären Behandlung zurückkommt. Und dann gibt es – hoffentlich noch ! – einen Partner oder eine Partnerin oder eine Familie, die man schon wieder viel zu lange warten lässt.

 

Also ab nach Hause, den lästigen Papier- und Codierkram verschiebt man auf Morgen, auf das
Wochenende, auf einen Brückentag …. und nichts geschieht. Von Quartal zu Quartal, von Jahr zu Jahr, sind die Patienten unzulänglich codiert, zwar gut behandelt aber nachlässig abgerechnet. Irgendwie geht’s ja. Das ist verantwortungslos. Verantwortungslos sich selbst und den uns nahestehenden Menschen gegenüber, die von unserem Einkommen leben.

 

Unsere fachliche Kompetenz bringen wir mit und frischen sie durch freiwillige und verordnete Fortbildungen stets auf. Unsere Kompetenz als Selbstständige, die eine Praxis auch betriebswirtschaftlich erstklassig führen sollten, bewegt sich oft auf einem improvisiertem und niedrigem Niveau. Das müssen wir uns ohne Wenn und Aber eingestehen. Da lässt sich in vielen Praxen viel verbessern. Betriebswirtschaftlich sind wir oft hilflose Helfer. Viele resignieren irgendwann.

 

Es grenzt an Selbstverleugnung, die Behandlung der Patienten ganz in den Mittelpunkt zu stellen.
Auch Ärzte haben eine Fürsorgepflicht sich selbst gegenüber. Dazu gehört neben der ernsthaften Pflege fachlicher und seelischer Ressourcen auch eine korrekte Abrechnung nach den Regeln der gesetzlichen Krankenversicherung. Hier waltet jedoch ein Schlendrian, den wir selber zu verantworten haben. Hier muss und hier kann Abhilfe geschaffen werden.

 

Wir werden kaum an die erstaunlichen Honorare unserer Kolleginnen oder Kollegen im europäischen Ausland heranreichen, von denen die Urlauber berichten, und sicher nicht an die schwindelerregenden Rechnungen in den USA, die den Rahmen des Nachvollziehbaren und ethisch Vertretbaren oft weit hinter sich lassen. Doch auch unser Abrechnungssystem hat Spielräume, von denen man aber wissen muß.

 

Geldverdienen durch das Behandeln Leidender? Dem haftet, seien wir ehrlich, vielen von uns unbewußt eine gewisse Abneigung an. Das eine soll mit dem anderen möglichst nichts zu tun haben. Jede(r) verdient gerne gut. Nur kümmern möchte man sich lieber nicht darum. Daraus entsteht eine gewohnheitsmäßiges Vermeidungsverhalten, das teuer, sehr teuer bezahlt wird. Von uns. Und niemand dankt für den Verzicht, da er gar nicht bemerkt wird. Es gleicht einer systematischen – um nicht zu sagen: systematischen und institutionalisierten – Narkose: den Mangel an Einkommen, das ehrlich und gerecht zu erzielen ist, spüren wir nicht, da wir die Möglichkeiten nicht kennen: „Wer sich nicht bewegt fühlt seine Fesseln nicht“ (Rosa Luxemburg).

 

Wir lassen uns durch die Wirrnisse unseres Abrechnungssystems sedieren, resignieren irgendwann, lassen den Dingen ihren Lauf, zahlen unsere Rechnungen und (Zwangs-)Beiträge, trösten uns mit dem hohen Ethos unseres Berufes und freuen uns über die Wertschätzung unserer Patienten. Dabei müssen wir uns nicht als lamentierende Opfer fühlen sondern auch als Mittäter durch Unterlassung. Durch Unterlassung, weil wir uns mit den legalen und gewollten Möglichkeiten der Codierung nicht ausreichend beschäftigen und am Ball bleiben.

 

Das schafft man nicht alleine. Auch das gehört zur neuen Ehrlichkeit sich selbst gegenüber.
Die Navigation durch den dichten Nebel der Codierung geht nur mit professioneller Hilfe. Improvisieren ist aussichtslos, auch der beste Kapitän braucht einen Lotsen, wenn er das Gewässer nicht gut genug kennt.

 

Mit der Praxis der Zukunft GmbH bietet Sigrid Borst auf einer hochprofessionellen, praxiserprobten und praktikablen Ebene eine Abrechnungsanalyse zu fairen Bedingungen an. Sie ist jeder Praxis zu empfehlen, in der nicht nur die Patienten, sondern auch die Inhaber und Mitarbeiterinnen gut behandelt sein wollen.

 

Dr. med. Wolfgang Streit




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